Ellena Olsen

Eine Affinität zur See hatte die in Bischofswerda geborene Künstlerin zwar schon früh, daß sich diese Faszination aber zu einem bestimmenden Thema ihres Werkes ausweiten würde, war so nicht vorauszusehen. Ursprünglich zog es Ellena Olsen zur Buchgraphik und zur Illustration. Da sie ihre Kinder- und Jugendzeit in Leipzig verbrachte, lag der Besuch der Hochschule für Graphik und Buchkunst nahe. Hans Mayer-Foreyt wurde dort ihr erster Lehrer. Im Laufe dieses Studiums wuchs ihr Interesse an der freien Malerei. Besonderen Anteil daran hatte Bernhard Heisig, den Ellena Olsen nicht nur als Künstler, sondern gerade als Lehrer und Mensch besonders schätzt. Drei fruchtbare Jahre bei Heisig und Sighard Gille folgten. Aber die junge Künstlerin wollte sich keineswegs auf die Malerei festlegen lassen. Ihre ursprüngliche Idee, Bücher zu illustrieren, verlor sie nicht aus den Augen. Die Technik des Holzschnitts vervollkommnete sie parrallel zur Malerei bei Karl-Georg Hirsch – ein Umstand, der sich bis heute in der breiten Pallette ihres künstlerischen OEuvres widerspiegelt.

Nach ihrem Studium zog es Ellena Olsen in den Norden. Rostock erschien ihr als die Stadt, in der sie ihre Kunst vorantreiben, ihre Liebe zur See ausleben konnte. Doch es kam anders: Auf der Suche nach einem passenden Atelier verschlug es sie 1982 zunächst nach Gera. Die Nähe zu Leipzig als Kunstzentrum blieb ihr zwar somit erhalten, aber ihr Wunsch, an der Ostsee zu leben und zu arbeiten, blieb unerfüllt. Sie kompensierte diese Sehnsucht mit ausgedehnten Reisen nach Rügen, wo sie mit Künstlerkollegen wie zum Beispiel den Chemnitzern Michael Morgner und Gregor Torsten Schade (jetzt Kozik) und dem Berliner Achim Bayer zusammentraf. Doch schon bald reichte ihr allein dieser künstlerische Austausch nicht mehr. Im eher provinziellen Gera fehlten Reibung und Anregung, die sie für ihre Arbeit so dringend brauchte.

Berlin versprach ihr diese Spannung. Die junge Künstlerin wurde Meisterschülerin bei Gerhard Kettner an der Akademie der Künste. Die Akademie, direkt am Pariser Platz und an der Berliner Mauer gelegen, wurde für sie während der Wendejahre zu dem Ort, von dem aus sie die deutschen Verhältnisse nicht nur sinnbildlich zu studieren begann. Hintergründig Politisches, Mahnendes, Sinnierendes findet sich in Olsens Bildern jener Zeit.

Berlin sollte bis heute der Lebensmittelpunkt der Künstlerin bleiben. Ihre Anregungen und Ideen findet sie jedoch größtenteils am Meer. Ausgedehnte Arbeitsreisen, sowohl an die deutsche als auch an die skandinavische Küste, werden zur Inspiration dessen, was im heimischen Atelier gemalt, gedruckt und vervollkommnet wird. Dabei geht sie in bemerkenswerter künstlerischer Vielseitigkeit mit den Ausdrucksmöglichkeiten des Holzschnitts, der Assemblage, der Collage und der Malerei gleichermaßen souverän um. Diese Techniken stehen in Ellena Olsens Werk gleichberechtigt nebeneinander; man könnte sagen, sie bedingen einander.
Seit den frühen 1990er Jahren ist – als Ergänzung zur Malerei – eine weitere Form künstlerischen Schaffens hinzugekommen: Das skulpturale Objekt. Aus unspektakulären Fundstücken, wie Federn und Drahtgeflecht, aus Treibgut, das sie an den Stränden findet, formt Ellena Olsen skurrile Objekte. Fische und Vögel, einen Treibwal oder einen elchgleichen Schaufler. Sie spürt Beiseitegeworfenes auf, sieht es in neuen Zusammenhängen und fügt es in eine neue Wirklichkeit, die in der Phantasie des Betrachters einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Dabei setzt die Künstlerin ihre Funde so unverändert ein, daß sie als das sichtbar bleiben, was sie einmal waren. Sie erheben sich nur in eine neue Daseinsform. Der Weg zu diesem neuen Dasein ist für sie oft selbst überraschend: „Wenn ich genau weiß, was es wird und wie es wird, brauche ich es nicht mehr zu machen“. Ein blindes Verlassen auf das Eigenleben des Materials erscheint ihr jedoch wie ein Verzicht auf die Rolle des Schöpferischen im künstlerischen Prozeß. „Ich möchte schon steuern, was herauskommt, Zufall allein genügt nicht.“.