Manfred Böttcher

„Die Möglichkeit der Vertiefung durch das Malen mehrerer Fassungen ist herrlich”, eine Aussage des Meisters, die er bei Atelierbesuchen immer wieder bekräftigte und die ein Kenner seiner Bilder besonders heute feststellen kann.

Verblüffend oft hat er in Öl „Das Dock“ gemalt, die Bilder „In der Straßenbahn“, verschiedene, oft sehr expressive, Stilleben und die Strandbilder. Irgendwie fand er stets neue sinnliche Eindrücke, die ihn dazu bewegten, einer anderen Sicht die Referenz zu erweisen. Ein ewiges Suchen und Verwirklichen, gleichsam aus einer inneren Schau heraus, in Farbe umzusetzen, war der große Fundus, aus dem seine Malkunst die wichtigen Potenzen schöpfte. Das Auge, im Erfassen der Umwelt geschärft, verführte ihn zu seinen für den oberflächlichen Betrachter einfachen, unkonventionellen Bildfindungen. Das Dock, mehrere großformatige Ölbilder, eine Reflexion auf seine Aufenthalte in Rostock, zeigen, wie intensiv ihn der große Raum, der ein ganzes Schiff zu beherbergen weiß, fasziniert hat. Zwei riesige Seitenwände und ganz in der Ferne die Ostsee. Bis in die 80er Jahre ist dieses Thema bei ihm präsent und wird mit großer Meisterschaft immer wieder malerisch umgesetzt. Gleichermaßen hält er sein persönliches Erleben mit den „Bildern – In der Straßenbahn” fest. Die Fahrt zwischen der Wohnung in der Immanuelkirchstraße und dem Atelier am Frankfurter Tor, hoch oben unter den Türmen an der Warschauer Straße, wird wiederholt in anderen Fassungen reflektiert. Nicht zuletzt bildet der Ausblick auf den Bersarin-Platz und die Warschauer Straße eine ideale Kulisse für die Verwirklichung seiner Bildideen. Es gibt keine oberflächliche koloristische Sensation, weder hier noch in seinem gesamten malerischen Werk. Damit muß sich der Betrachter schon abfinden. Ernsthaftigkeit, gepaart mit großer Meisterschaft, ist deutlich spürbar, wenn der Kunstliebhaber sich dieser Mühe unterziehen will. Warme Farbtöne, kultivierter strenger Bildaufbau, die Form erhaltend, aber manchmal bis zur Grenze schreitend, sind Manfred Böttchers sich selbst auferlegte Maßstäbe. Sehr verhaltene Farben, wie Umbra, Ocker, Oliv, Siena, maßvolles Grün und Gelb, eine Sinfonie von Tönungen wie eine Messe großer Komponisten vermitteln eine erdhafte Sinnlichkeit. Sicher haben seine hoch verehrten Lehrer Wilhelm Lachnit an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden und Heinrich Ehmsen an der Akademie der Künste zu Berlin für diese Entwicklung einen großen Beitrag geleistet, aber die Meisterlichkeit seiner Malkunst hat er sich selbst erkämpfen müssen. Das oft Zufällige, vom Auge aufgenommen, in der Innenschau angelegt, eine Bildidee werden zu lassen, ist das Verdienst des Meisters allein. Seine Umsetzung in der Gestaltung bleibt nur ihm vorbehalten und ist sein Geheimnis. Dankbar können wir Ihnen nun die dritte Ausstellung durch unser Haus präsentieren. Wie Manfred Böttcher sagte: „Ich will nur gute Bilder malen“, wollen wir nur gute Ausstellungen zeigen!