Hans und Lea Grundig

In ihren bekenntnishaften Lebensberichten „Zwischen Karneval und Aschermittwoch“ und „Gesichte und Geschichte“ zeichnen Hans und Lea Grundig das Bild ihres Freundes Kurt Junghanns. „Kurt, der Architekt, kam 1932 zu uns. Der lange, schlacksige, fröhliche Kerl, der unsere Arbeit liebte – er wurde unser Freund, treu und vertraut, wie nur Gezählte. … In ihm vereinten sich künstlerische Wärme und wissenschaftliche Durchdringungsgabe. Er gehörte zu den Richtern unserer Arbeit,…“ (2, S. 142)
Doch Kurt Junghanns hatte nicht als Sammler an die Ateliertür gepocht, vielmehr knüpfte eine gemeinsame Bekannte den ersten Kontakt. Die wechselseitige Begeisterung für die Arbeiten des Anderen sowie weltanschauliche und politische Übereinstimmung schmiedeten bald eine enge Freundschaft. „Wir gaben unsere künstlerische Arbeit, und er gab uns sein Wissen.“ (2, S. 143) Kurt Junghanns führte die Grundigs zum „Verstehen der Architektur als gesellschaftliches Produkt“ (2, S. 142), was er ihnen wohl besonders beeindruckend an den Problemen des „modernen Bauens in Glas, Stahl und Beton“, aber auch an der schlichten Funktionalität und Schönheit der „Tessiner Landbauten“ exemplifizierte. (1, S. 250) Obzwar noch Student, konnte Kurt Junghanns als Sohn eines Dresdner Baumeisters den Grundigs finanziell beistehen. Unvergesslich sind Hans jene Freudentage, wenn sie bei ihrem „Freund, dem Architekten Kurt“, zu Abend speisten, denn die zarten Farben und edlen Formen der gebotenen Köstlichkeiten korrespondierten auf das Trefflichste mit deren „nahrhaften Geist“. (1, S. 266)

Hans und Lea Grundig: Die Sammlung Junghanns

In ihren bekenntnishaften Lebensberichten „Zwischen Karneval und Aschermittwoch“ und „Gesichte und Geschichte“ zeichnen Hans und Lea Grundig das Bild ihres Freundes Kurt Junghanns. „Kurt, der Architekt, kam 1932 zu uns. Der lange, schlacksige, fröhliche Kerl, der unsere Arbeit liebte – er wurde unser Freund, treu und vertraut, wie nur Gezählte. … In ihm vereinten sich künstlerische Wärme und wissenschaftliche Durchdringungsgabe. Er gehörte zu den Richtern unserer Arbeit,…“ (2, S. 142)

Doch Kurt Junghanns hatte nicht als Sammler an die Ateliertür gepocht, vielmehr knüpfte eine gemeinsame Bekannte den ersten Kontakt. Die wechselseitige Begeisterung für die Arbeiten des Anderen sowie weltanschauliche und politische Übereinstimmung schmiedeten bald eine enge Freundschaft. „Wir gaben unsere künstlerische Arbeit, und er gab uns sein Wissen.“ (2, S. 143) Kurt Junghanns führte die Grundigs zum „Verstehen der Architektur als gesellschaftliches Produkt“ (2, S. 142), was er ihnen wohl besonders beeindruckend an den Problemen des „modernen Bauens in Glas, Stahl und Beton“, aber auch an der schlichten Funktionalität und Schönheit der „Tessiner Landbauten“ exemplifizierte. (1, S. 250) Obzwar noch Student, konnte Kurt Junghanns als Sohn eines Dresdner Baumeisters den Grundigs finanziell beistehen. Unvergesslich sind Hans jene Freudentage, wenn sie bei ihrem „Freund, dem Architekten Kurt“, zu Abend speisten, denn die zarten Farben und edlen Formen der gebotenen Köstlichkeiten korrespondierten auf das Trefflichste mit deren „nahrhaften Geist“. (1, S. 266)
In ihrem intensiven Zusammenleben wuchs Kurt Junghanns gleichsam selbst-verständlich eine Sammlung von künstlerischen Arbeiten seiner Freunde zu, wohl auch seiner kritischen Prüfung zugedacht. Wiederholt tragen die Drucke den Vermerk „Für Kurt“, – es sind exzellente Abzüge und Zustandsdrucke. Einige Arbeiten widmete Hans Grundig seinem Freund; eine kristallin-architekturhafte Berglandschaft bewahrt die Erinnerung an ihre gemeinsamen Wanderungen im Schweizer Tessin 1936; die vierzig Federzeichnungen und Schriftblätter zum „Kleinen Testament“ des Francois Villon geben eine verschlüsselte Deutung der unheilvollen, faschistischen Gegenwart, die die eigne, existentielle Bedrohung visionär einschloss. Denn bald wurde Hans Grundig inhaftiert, es folgte das KZ; Lea Grundig und Kurt Junghanns wurden gemeinsam wegen „Hochverrats“ angeklagt und verurteilt. (1, S. 273, 283 f.; 2, S. 171 f.)

Aus der Einsicht, dass die „Wirkung der bildenden Kunst in den Kunstausstellungen auf den werktätigen Menschen gleich Null“ sei, wurde die Idee geboren, eigne Holz- und Linolschnitte in der „Dresdner Arbeiterstimme“ in hohen Auflagen zu drucken und wohlfeil zu einem Preis von 20 oder 30 Pfennigen auf Arbeiterveranstaltungen zum Kauf anzubieten. Das Konzept ging auf und die Blätter wurden ihnen, wie Hans Grundig schreibt, aus den Händen gerissen. (1, S. 197 f.) Die Radierungen sind ebenfalls dem Anliegen der Vervielfältigung verpflichtet. Hans entdeckte die Technik des Radierens, um aus seinen, im Café beiläufig gezeichneten „kleinen schrulligen Tiervignetten“ eine „ernste, durchaus nicht spaßhafte, den Faschismus geißelnde Arbeit zu entwickeln“. (1, S. 230) Von Äsop, Gellert und Lessing inspiriert, entstanden „in der Form von Gleichnissen“ die Folge „Tiere und Menschen“; Lea radierte die Folgen „Unter dem Hakenkreuz“ und „Krieg droht“. Was Hans Grundig zu den KZ-Blättern der Lea Grundig anmerkte, darf in verallgemeinerter Aussage für die Arbeiten beider Grundigs gelten, – ihre Arbeiten gehören zu „dem Erschütterndsten und künstlerisch Wertvollsten“ (1, S. 260), was über die Nazizeit bildhaft artikuliert wurde.
In den Nachkriegsjahren lockerten sich die Kontakte, nicht aber die Intensität ihrer Freundschaft. Kurt Junghanns zog 1948 von Dresden nach Berlin. Eine schwere Erkrankung schränkte Hans Grundig zunehmend in seiner Lebensführung und künstlerischen Arbeit ein, Lea kehrte erst 1949 aus dem Exil nach Dresden zurück. Eine weitere Tessiner Landschaft gelangt nach Berlin, ein stilles, lyrisches Gemälde als Gabe an Lieselotte Junghanns, der Ehefrau; die Töchter werden von Lea Grundig gezeichnet und später mit Landschaften und Blumenstillleben, in schwarzer Tusche ausgeführt, bedacht. Und Kurt Junghanns erhält vor allem die Grafikzyklen und Einzelblätter zu den großen politischen Themen; auf einem Blatt aus dem Jahre 1971 vermerkt Lea: „für Kurt, in alter Weise“.

Desweiteren umfasst die Sammlung Junghanns noch zwei farbige Arbeiten auf Papier von Hansheinrich Palitzsch – Palitzsch war Ateliernachbar der Grundigs in der Dresdner Ostbahnstraße – sowie vier handgeschriebene Briefe Hans Grundigs an Kurt Junghanns, in denen er sich mit einem Manuskript auseinandersetzt, das Kurt Junghanns als Einführung in das Werk von Hans Grundig 1948 verfasst hatte. Der Text sollte mit etwa 12 Abbildungen im Sachsenverlag erscheinen. Die ausführlichen Briefe vermitteln wesentliche Einblicke in sein künstlerisches Selbstverständnis.

Hein Köster

Schriften:
(1) Hans Grundig, Zwischen Karneval und Aschermittwoch. Erinnerungen eines Malers, Dietz Verlag Berlin 1957 (2. Aufl.)
(2) Lea Grundig, Gesichte und Geschichten, Dietz Verlag Berlin 1961 (4. Aufl.)

Lebensdaten:
Hans Grundig, 19.2.1902 Dresden – 11.9.1958 Dresden
Lea Grundig, 23.3.1906 Dresden – 10.10.1977 bei Constanta
Kurt Junghanns, 29.8.1908 Dresden – 2.12.2006 Berlin